Interview mit Kostümdesignerin Sieglinde Michaeler (FILM PROFESSIONALS in Südtirol)

Kleider machen Leute – nicht nur im Alltags- und Berufsleben, sondern auch im Film. Und hier kommen Kostümdesigner ins Spiel. Wie zum Beispiel Sieglinde Michaeler, die schon bei den BLS geförderten Produktionen „Die Fugger“, „To Be King“ und "Die schwarzen Brüder" für den Look der Figuren mitverantwortlich war. Im Interview stellen wir die Südtirolerin näher vor.

Die Mode- und Kostümexpertin studierte Modedesign in Mailand, bevor sie in die Theater- und Filmwelt einstieg. Seitdem war sie an weit über 100 Produktionen beteiligt.

Frau Michaeler, nach Ihrem Studium zur Kostümdesignerin waren Sie zunächst für zahlreiche Theaterproduktionen tätig. Wie sind Sie zum Film gekommen?
Mein erster Kontakt mit einem Film ergab sich 2002 in der Zusammenarbeit mit einem Regisseur aus Brixen, der sich damals mit der Bitte an mich wandte, für sein Projekt „Muro di vetro“ die Kostüme zu besorgen. Nach meinem bisherigen Engagement in der Welt des Theaters war das für mich eine ganz neue Herausforderung und ich freute mich sehr darüber! Meine Arbeit im Dokumentarfilm „Ein ladinisches Wintermärchen“ erbrachte später den Kontakt zur Südtiroler Filmförderung BLS, die mich seitdem in ihrem Branchenverzeichnis Südtiroler Filmschaffender anführt.

Gibt es einen Unterschied Kostüme für das Theater oder für Filme zu kreieren?
Eigentlich liegt zwischen den beiden Bereichen kein großer Unterschied. Der kreative Weg ähnelt sich sehr: Text beziehungsweise Drehbuch lesen sowie Gespräche mit dem Regisseur, in denen er seine Ideen und Wünsche zum Kostümbild formuliert. Danach entwickle ich diese Ideen mit meinen eigenen Vorstellungen für die verschiedenen Schauspieler weiter. Ich zeichne dazu Figurinen, anhand derer schließlich entweder die Kostüme genäht oder aus einem Theaterfundus ausgeliehen werden. Und dann beginnen schließlich die Kostümproben. Die große Herausforderung besteht jedes Mal darin, eine Rolle auch über das Kostüm zu definieren und natürlich auch den Geschmack des Publikums zu treffen. Meine Liebe zum Detail erweist sich im Film besonders wichtig, da durch die Nahaufnahmen das Auge des Zuschauers auf jedes kleine Merkmal gelenkt werden kann.

Für welchen Schauspieler oder welche Art von Film würden Sie gerne einmal die Kostüme entwerfen?
Ich liebe historische Kostümfilme, die sich durch Opulenz, Farben und Eleganz auszeichnen. Die Recherche der Geschichte der Mode hat mich schon immer fasziniert und ich konnte meine Kenntnisse bereits in vielen Theaterproduktionen ästhetisch umsetzen. Mir würde es gefallen, die Kostüme für einen Phantasiefilm wie zum Beispiel „Die Chroniken von Narnia“ zu entwerfen, da man dabei die Möglichkeit hat, neben besonderen Stoffen mit ganz unüblichen Materialien und Techniken zu arbeiten. Zudem ist die eigene Kreativität aufs Höchste gefordert und dadurch wiederum schenke ich mir persönlich eine riesige Freude. Was die Kostümierung von einzigartigen Schauspielern betrifft, wäre es mir eine große Ehre, Meryl Streep und John Malkovich in meinen Kreationen bewundern zu können.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach den Filmstandort Südtirol aus?
Südtirol hat meiner Meinung nach als Filmset unheimlich viel zu bieten: eine unvergleichbare Landschaft mit wunderschönen Bergen und Seen, rauhes und mediterranes Klima, malerische kleine Städte und Ortschaften, historische Baulichkeiten und Kulturdenkmäler in erstaunlicher Dichte. Die besondere Lage als Tor zum Süden spiegelt sich in allen Bereichen des täglichen Lebens wieder – in der Verwendung zweier Sprachen, im Kulinarischen, in sozialen Netzwerken, in der kulturellen Betätigung und in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. Gerade in den kleinen und größeren sehr zuverlässigen Handwerksbetrieben können Filmschaffende ideale Partner zum Aufbau von Filmsets oder zur Herstellung von Filmrequisiten finden. Die Filmbranche in Südtirol hat sich im vergangenen Jahr insofern positiv entwickelt, dass vor allem die Medien immer öfter über Filmprojekte in Südtirol berichten. Dadurch erfährt nun auch die Südtiroler Bevölkerung, welch rege Aktivität sich auf dieser Ebene abspielt. Die dynamische Entwicklung des Filmwesens in Südtirol bewirkte für mich als Kostümbildnerin vor allem eine ständig wachsende Anzahl an Anfragen, bei Filmen mitzuarbeiten. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft noch weiter steigern wird.